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TU Berlin

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Gründungsversammlung des „Netzwerks zu Forschungen und Aktivitäten zu Mini Publics“ in Japan

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Hans-Liudger Dienel, 14. 12.2015

Am 12. Dezember 2015 gründeten rund 60 Repräsentanten/innen aus Partizipationsforschung, kommunaler Bürgerbeteiligugn und zivilgesellschaftlichen Organisationen in der Tōkyō Tech (Tōkyō Institute of Technology) das japananische Netzwerk zu Forschungen und Aktivitäten zu Mini Publics. Den Anstoß für die Netzwerkgründung gaben die drei Hochschullehrer Akinori Shinoto (Beppu University), Tesuki Tamura (Nagoya University) und Tasuro Sakano (Tōkyō Institute of Technology).
Schon seit acht Jahren findet in Tokyo jährlich eine „Messe“ der japanischen Kurzplanungszellenprojekte „Shimin togikai“ statt. Dort berichten die jährlich rund 30-50 Kurzplanungszellenprojekte über die gelaufenen Verfahren, die kritisch reflektiert werden. Deren Organisation liegt in den Händen von Sumio Yoshida, eines Unternehmers und Aktivisten aus der Stadt Mitaka bei Tōkyō, welche 2005 die erste Kurzplanungszelle in Japan durchführte. Diese soziale Bewegung, deren Projekte von der Japanischen Junior Chamber International Japan (J.C.) finanziell gefördert werden, ist ein Teil der in Japan erblühenden Partizipationsforschung an den Hochschulen und den in Japan zahlreichen Projekten zu „Deliberative Polling“ (nach James Fishkin) oder Consensus Konferenzen. Auf dieser Grundlage und in einem lebendigen Umfeld möchte das neu gegründete Netzwerk die Forschung und die praktische Implementation voranbringen und in Japan gegenüber Politik und Gesellschaft vertreten.
Am 31. Oktober dieses Jahres war der Altmeister der japanischen Politikwissenschaft, Professor Hajime Shinohara verstorben, der schon 2004 mit seinem aufsehenerregenden Buch „Politologie der Bürger“ die Einführung deliberativer Politikformate in Japan mit Verweis auf Habermas und Fishkin sowie konkret auf citizen juries und Planungszellen in den USA und Deutschland gefordert und seither auch in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des neuen Netzwerks kontinuierlich gefördert hat. Seine Beerdigungsfeier war durchaus ein Fanal für die Gründung des japanischen Netzwerkes.
Der designierte Präsident der japanischen Gesellschaft für politische Wissenschaft, Professor Jun-ichi Saitō von der Waseda University in Tōkyō, begrüßte die Gründung. Er ist einer der wichtigsten japanischen Forscher zur Theorie deliberativer Demokratie und insbesondere auch ihrer möglichen Gefährdungen durch Manipulation, etwa agenda setting der Organisatoren oder strategisches Abstimmungsverhalten der Bürger/innen. Die Rigidität in der Erforschung von Problemlagen und Defiziten deliberativer Methoden kennzeichnet überhaupt den japanischen Stil in der politikwissenschaftlichen Partizipationsforschung. Dazu gehört auch die bekannte emiritierte Professorin Itsuko Teruoka, deren Interessenschwerpunkt die (gegenseitigen) Manipulationsversuche in deliberativen Verfahren und insbesondere in den Kleingruppen ist.
Die japanische Gründungsversammlung orientierte sich explizit am Beispiel des vor einigen Jahren in Deutschland gegründeten Netzwerks Bürgerbeteiligung und seinen Aktivitäten zur Institutionalisierung, Qualitätssicherung und Standardisierung partizipativer Verfahren und der Kooperation von partizipativer mit parlamentarischer und direkter Demokratie, die von Hans-Liudger Dienel auf der Gründungsversammlung vorgestellt wurden.
Die designierten Sprecher des Netzwerks sind:

Prof. Akinori Shinoto, Beppu University,


Prof. Tesuki Tamura, Nagoya University,


Prof. Tasuro Sakano, Tokyo Institute of Technology,

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